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Über Neonazis, Autonome Nationalisten und andere Verwirrte

„Nazis? So was haben wir hier doch gar nicht mehr.“ Stimmt. Zumindest der „Klischee-Nazi“ mit Springerstiefel, Glatze und Bomberjacke scheint aus unserer Gesellschaft verdrängt worden zu sein.
Doch der Nazi von heute Trägt keine Hakenkreuze mehr und ist auch kein Hitler-Fan.
Nicht nur NPD und ähnliche versuchen, zumindest für die Öffentlichkeit, das Bild vom rechtsradikalen Neo-Nazi-Schlägertrupp loszuwerden, auch die extrem rechten „Bürgerbewegungen“ wie ProBonn, ProNRW usw. versuchen, mit einer scheinbar bürgerlichen, demokratischen Ideologie an den Problemen der Menschen anzuknüpfen und mit tief verborgenen Vorurteilen von Ausländerfeindlichkeit und der „Angst vor der Islamisierung Europas“ von den wahren Problemen von Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildungsplatzmangel und der Abwälzung der Krisenfolgen auf unsere Schultern abzulenken.
Doch sind die rechten Tendenzen einfach verschwunden? Nein. Das sind sie nicht. Viele der Neonazis organisieren sich als „Freie Kräfte“ und „Nationale Sozialisten“. Mindestens seit 2002 bezeichnen sich einzelne Gruppen und mittlerweile immer größere Teile der radikalen rechten als „Autonome Nationalisten“. Nicht nur in NRW ist dieser Ableger zurzeit tonangebend.
Dabei kopieren sie vor allem in ihrem Style und ihren Aktionsformen aber auch mit Symbolen und inhaltlichen Aussagen stark an der Jugendkulturell geprägten linken Szene: Bomberjacke und Glatze wichen trendiger Streetwear von Cargo-Hosen, buttongespickter Caps und Marken-Turnschuhen. Man bedient sich Hip-Hop-Schriftarten und Streetart-Elementen.
Im Antifa-Logo ändert man eben den Schriftzug von „Antifaschistische Aktion“ in „Nationale Sozialisten“ und auch die Aufkleber, Flyer und Plakate der rechten kann man auf den ersten Blick kaum noch von Materialien der Antifa unterscheiden (siehe Bild). Auch Gewaltandrohungen gegenüber (vermeintlichen) linken oder alternativen Gegnern liegen an der Tagesordnung. Dabei agieren sie lokal in eigenständigen Gruppen, um einem bundesweiten Verbot aus dem Weg zu gehen.

Doch was hat Bonn damit zu tun?
Nicht nur, dass Bonn die Stadt mit den meisten (rechtsradikalen) Burschenschaften ist und das wir mit Nico Ernst einen bekannten Neo-Nazi für ProBonn im Stadtrat sitzen haben, nein, auch die Autonomen Nationalisten fühlen sich in Bonn immer wohler.
Zwar kann man in Bonn noch lange nicht von einem Naziproblem wie in Dortmund oder in Aachen sprechen, aber auch hier häufen sich Schmierereien und Aufkleber „nationaler Aktivisten“.
Diese Aktionen gehen von dem „Aktionsbüro (AB) Mittelrhein“ aus. In Orten wie Remagen, Sinzig und Bad-Neuenahr finden sich viele Aufkleber und Sprühereien des AB Mittelrhein. Nicht nur, dass das AB Mittelrhein ein klar rassistisches, diskriminierendes Weltbild pflegt, auch mit der Bezeichnung „Nazi“ kann man ihnen nur gutes tun: „Nazi sein, heißt leben wollen“ lautet der Schriftzug eines Aufklebers welcher noch mit einer Illustration aus der NS-Zeit versehen ist. Auch auf bunten Aufklebern mit Southpark-Figuren wirbt man für den „Nationalen Sozialismus“, was schon als Wort ein Widerspruch in sich ist.

Neben der Verbreitung von Aufklebern und vermehrten Angriffen auf (vermeintliche) Antifaschisten ist das AB Mittelrhein maßgeblich in die Organisation von alljährlichen Aufmärschen in der Region involviert. Zuletzt am 21.November in Remagen und im Jahr davor am 12.Juli in Bonn.
Als Ausgangspunkt für ihre Aktionen dient dem Aktionsbüro seit Anfang des Jahres das „braune haus Neuenahr“. Bei diesem handelt es sich um ein Wohnhaus in der Weinbergstraße 17, welches neben dem Zweck des gemeinsamen Wohnens auch der Vorbereitung von Aktionen dient. Auch der Sinn des neuen Trainingsraums ist klar, kam es doch grade zu Beginn des Jahres aus dem Umfeld der BewohnerInnen des Öfteren zu Übergriffen. So wurde ein alternativ aussehender Jugendlicher in der Weinbergstraße bedroht und dazu aufgefordert, „Mitglieder der Antifa Ahrweiler“ zu benennen und am 12.03.10 wurde die Wohnung eines Antifaschisten mit Pflastersteinen angegriffen.
Doch auch hier in Bonn kam es zu Übergriffen: Im März vor einem Vortrag über die Nazi-Szene um das AB Mittelrhein wurde dem veranstaltenden Buchladen Le Sabot, die Scheibe eingeschmissen.
Diese Übergriffe zeigen, dass es in der Umgebung doch eine aktive Naziszene gibt, auch wenn Stadt und Bevölkerung dies meistens nicht einsehen (wollen) und, entweder aktiv oder einfach nur mit Duldung und nicht Eingreifen bei Naziaktionen, dem antifaschistischen Widerstand Steine in den Weg legen. So genehmigte die Stadt für den Naziaufmarsch im November letzen Jahres ohne jegliche Einschränkungen die beste Route über die B9. Noch im Februar wurde diese Route für eine antifaschistische Demonstration verboten, da so etwas ja „den Verkehr behindere“. Auch wurde beim Naziaufmarsch die antifaschistische Kundgebung auf dem Marktplatz untersagt, da man ja die Bevölkerung nicht „belästigen“ sollte. Antifaschismus ist für die Stadt also eine „Belästigung“, wobei für die Nazidemo der halbe Stadtkern hermetisch abgeriegelt wurde, damit die Nazis auch schön durch den Rest der Stadt demonstrieren können und man auch ja keinen Protest mitbekommt.

Die stetig steigende Gewaltbereitschaft der Ahrtaler Nazis und das Vorhaben faschistische Strukturen im Stadtbild zu etablieren, ist mit größter Sorge zu betrachten.
Es ist klar, dass wenn von Seiten der Stadt der antifaschistische Widerstand weiter zu unterbinden versucht wird und man die Nazis weiterhin toleriert, sie sich weiter ausbreiten und stärken können. Doch soweit dürfen wir es nicht kommen lassen!
Es kann von Frieden nicht die Rede sein, wenn nachts Wohnhäuser angegriffen werden, genauso wenig von Freiheit, wenn man manche Bereiche als alternativer oder „ausländisch“ aussehender Bürger, aus Sicherheitsgründen, meiden muss.
Daher sollte es Pflicht eines jeden sein, faschistischem Gedankengut und allen dessen Auswüchsen entschlossen entgegenzutreten, um seinen eigenen Frieden und die eigene Freiheit zu gewährleisten.




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