Masterdschungel nach der Bologna Reform – Bildungsstreik?

(Hier ein interressanter Artikel zu Problem mit den Masterplätzen und zur Motivation noch zu streiken.)

Das Chaos mit den Masterplätzen

Erst jetzt zeigt sich einer der größten Nachteile der Bologna Reform: Das Chaos mit den Masterplätzen. Obwohl sich die Entwickler eigentlich gerade diese Neuerung auf die Fahnen geschrieben hatten, als Inbegriff der neuen Freiheit. Jeder Bachelor-Absolvent sollte die Möglichkeit haben jeden Master, den er wollte zu beginnen. Hätte man also seinen Bachelor in Philosophie gemacht wäre es trotzdem möglich einen Master in Landwirtschaft zu absolvieren. (Der Sinn eines solchen Wechsels sei mal dahingestellt.)

Fakt ist aber leider, dass nicht einmal alle Bachelor-Absolventen einen Masterplatz im gleichen Fach ergattern können. Beispielsweise in Köln standen in Betriebswirtschaft den knapp 1700 Bewerbern nur 215 Plätze zur Verfügung. Und das ist keine Ausnahme. Hinzu kommt, dass es keine einheitlichen Bestimmungen gibt, wie mit Bewerbern von anderen Universitäten umgegangen werden soll. In Bonn wird ansässigen Studenten ein Heimvorteil gewährt, sodass in manchen Fächern außeruniversitäre Bewerber um eine Note besser sein müssen. Aber auch das beseitigt nicht alle Probleme, so ist es schließlich von Dozent zu Dozent unterschiedlich wie benotet und gewertet wird. Bei dem einen kriegt man Einsen hinterher geworfen, bei dem andern sind sie kaum zu erreichen. Sodass es trotzdem häufig passiert, dass ansässigen Studenten der Masterplatz vor der Nase weggeschnappt wird.

Das Tauschen und Wechseln dauert häufig bis weit ins Semester hinein, sodass Studenten ihre Einführungsveranstaltungen verpassen oder es versäumen sich für bestimmte Angebote anzumelden, was ihre Studienzeit um ganze Semester nach hinten verschiebt.

Allerdings gibt es auf der anderen Seite Fächer in denen kaum Leute auf Master studieren. Orchideenmaster wie Logik oder Astrophysik bleiben kaum genutzt, hier stehen dann fünf Dozenten für zehn Studenten bereit. So kommt es, dass für die 100.000 Bachelor-Absolventen auch tatsächlich 100.000 Masterplätze bereitstehen, allerdings häufig in den falschen Fächern. Ein absolutes Chaos, indem nicht mal die Rektoren wirklich durchblicken.

Wieder ein heißer Herbst?

Nach den heftigen Studentenprotesten des letzten Wintersemesters würde man annehmen, die Studenten würden gerade dieses Chaos für ihre Zwecke nutzen. Doch der Bildungsstreik scheint erlahmt. Die Audimax Besetzung in Wien am 20.Oktober, die von vielen wieder als Auftakt gesehen werden wollte, versank ungesehen in der Medienversenkung. In Köln konnte in diesem Herbst nicht einmal eine Demonstration auf die Beine gestellt werden.

So ziehen die Streikwilligen nach Bonn, denn hier kämpft die Bonner Jugendbewegung weiter für die Studenten. Vom 2. bis 9. November gibt es eine Themenwoche „Studentenproteste von 1968 bis heute“, mit Vorträgen, Diskussionen und Informationsveranstaltungen und für den 10.11. ist eine Demonstration angesetzt.

Aber unter der breiten Studierendenschaft ist das Interesse für den Protest erlahmt. Letztes Jahr waren alle noch sehr begeistert und engagiert für die Besetzung der Unis, viele sonst eher unpolitische Studenten prägten das Bild in den besetzten Hörsälen.

Studiengebühren weg – wofür soll man da streiken?

Doch die Versprechungen von Rot/Grün in NRW die Studiengebühren zum Wintersemester 2011/2012 abzusetzen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Den meisten Studenten lag vor allem das Thema Studiengebühren am Herzen und die Verzweiflung im Angesicht der sich anhäufenden Schuldenberge die ständigen Klausuren trotzdem mit sehr guten Noten schaffen zu müssen trieb sie auf die Straße. Doch jetzt hat man doch gesiegt, die Studiengebühren werden abgeschafft.

Dass das viel größere Problem die Bologna Reform selbst ist, sehen die Studenten offenbar nicht so. Sie sehen die massenhaften Klausuren, die Anwesenheitspflicht und das verkürzte Studium als notwendig um in der europäischen und wirtschaftlichen Konkurrenz zu bestehen. Wirtschaft, nicht Bildung klingt in den Ohren der Studenten anscheinend nicht falsch.

Wie der Mensch so ist, sieht er erst, dass er vor eine Wand läuft wenn ihm der Kopf schmerzt. So sehen sich viele Bachelor-Absolventen plötzlich beim Arbeitsamt sitzen und verstehen überhaupt nicht wie sie dorthin geraten sind. Eine Kölner Psychologie Studentin sagt ratlos: „Ich habe den Bachelor gemacht um danach einen Master zu machen, wer will mich denn mit einem Bachelor schon einstellen?“ So wird es vielen Bachelor-Absolventen gehen und sollten die Studenten nicht so vorausschauend sein, schon während des Studiums etwas an ihrer Lage zu ändern, anstatt sich nachher zu ärgern?

Die Bologna-Reform hat dazu geführt, dass der Master nur einer kleinen Elite vorbehalten ist. Das hat nichts mit der Freiheit zu tun, die immer gepredigt wurde. Und anscheinend sind die Politiker nicht in der Lage dieses Problem zu beheben oder schlimmer noch, sie sehen es gar nicht! Deshalb sollte sich jeder Student fragen, ob es nicht seine Pflicht ist der Politik zu zeigen, dass hier massive Mängel in der Durchführung entstanden sind.

www.bildungsstreikunibonn2010.blogspot.com/
www.suite101.de/content/bildungsstreik-a57513

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